Ärger mit den Wassernixen

Staunend sahen die kleinen Feen hinunter auf diese Wunderwelt aus glitzerndem, blauem Wasser, leuchtend pinken Blüten und feingliedrigen Insekten mit langen Beinen und metallisch schimmernden Rücken.
Das also war das Nasse Tal. In ihren kühnsten Träumen hatte es sich Zitrönchen nicht so schön vorgestellt! Eine große Sehnsucht nach dem fremden, aber so unwiderstehlichen Element machte sich in ihr breit. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich fallen, dem Wasser hinterher, um auf den See hinauszufliegen.
„Halt!“, rief Blumenköhlchen noch. „Wiesenfeen können nicht …!“
Doch es war zu spät. Zitrönchen war schon mitten über dem Wasser. Sofort wurde ihr schwindelig, und sie wusste nicht mehr, wo oben und wo unten war. Alles war gleich blau, die Wolken spiegelten sich im Wasser, und der Himmel schien aus Wellen zu bestehen. Verwirrt hörte sie auf, mit den Flügeln zu schlagen. Entfernt nahm sie ein seltsames Ziehen im Bauch wahr, als ob sie oder irgendjemand, den sie gut kannte, von einer hohen Stelle runterfiel. Aber schon schwanden ihr die Sinne und es wurde schwarz vor ihren Augen.
Entsetzt sahen die anderen Feen von oben zu, wie Zitrönchen auf der Wasseroberfläche aufplatschte. Einen Moment lang blieb sie mit ausgebreiteten Flügeln darauf liegen. Dann ging sie inmitten eines Schwarms von Luftbläschen, die aus ihrem Kleid und ihren Haaren stiegen, unter.
Wiesenfeen können nicht über stehende Gewässer fliegen. Die Spiegelungen verwirren ihre Sinne. Das war es, was Blumenköhlchen ihr hatte mitteilen wollen. Zitrönchen hatte es soeben am eigenen Leib erfahren.

Sprachlos starrten die anderen Feen auf die Stelle, an der Zitrönchen verschwunden war. Dann fingen sie alle gleichzeitig an zu schreien.
„Hilfe!“, schrien sie. „So helft uns doch! Irgendwer! Schnell! Unsere Freundin ertrinkt!“
Noch während sie auf dem Weg ans andere Ufer waren, vorsichtig und immer am Rande des Sees entlang, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie Zitrönchen, kam Leben in die Wasseroberfläche. Kleine Wirbel entstanden darauf, und überall begann es zu brausen und zu zischen wie in einem Hexenkessel.
„Oh nein!“, schrie Rosenträumchen. „Wir haben ein uraltes, rachsüchtiges Wasserwesen geweckt!“
„Stehende Gewässer sind einfach nichts für Wiesenfeen“, jammerte Blumenköhlchen. „Wir hätten niemals hierherkommen dürfen.“
„Sie wird gefressen! Wir alle werden gefressen“, heulten Apfelkernchen, Rosalette und Lilaputte im Chor.
Aber es war nicht der gezackte Rücken oder der gehörnte Kopf eines teuflischen Wasserungeheuers, der sich schließlich aus dem Wasser erhob. Es war eine Reihe freundlicher, wenn auch merkwürdig grünlicher Gesichter, die dort aufploppten. Dazu kamen grüne Arme, die etwas Schlaffes, Nasses auf ein Seerosenblatt hievten. Erleichtert erkannten die Feenmädchen ihre Freundin Zitrönchen, die sich halb aufrichtete und Wasser spuckte. Ihr schönes Kleid hing an ihr herab wie ein nasser Sack, und ihre Frisur war komplett zerstört. Aber davon abgesehen war sie heile.
Die grünen Gesichter im Wasser sahen grinsend von Zitrönchen zu ihren Freundinnen am Ufer und zurück. Dann öffneten sie ihre Münder und ließen alle miteinander ein Geräusch ertönen, das man nur als unbändiges Lachen bezeichnen konnte. Es breitete sich aus und prallte gegen die Uferfelsen, die es tausendfach hin und her warfen, so dass es immer lauter wurde. Es war ohrenbetäubend und frech. Und unter dem ganzen Lärm klang es eindeutig ein wenig blubbernd.

Eine Kröte

„Zitrönchen wünschte sich, sie würde in Ohnmacht fallen. Eine dicke, fette Kröte mit Warzen auf dem Rücken und riesigen Patschefüßen war so ziemlich das Ekligste, was sie sich vorstellen konnte.“

Ein Unwetter

„Und je mehr es regnete, desto besser wurde es. Pfützen entstanden, in die man hineinspringen konnte. Irgendwer entdeckte, dass man sich Handschuhe aus Matsch machen konnte, und Kniestrümpfe und ganze Anzüge.“

Ein beleidigtes Einhorn

„Och komm schon, Pfeffi!“, rief Zitrönchen. „Sei doch nicht beleidigt, ich hab’s nicht so gemeint! Du bist kein doofes Pferd!“

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