Ein Streich mit Folgen

Unzufrieden lief Zitrönchen hin und her. Sie kickte Steinchen umher und schleuderte trockene Zweige durch die Gegend. Die Sonne wanderte schon auf die andere Seite der Großen Wiese. So langsam wurde es wirklich Zeit für ein Abenteuer, wenn sie noch etwas davon haben wollten.
„Zaubern müsste man können“, schimpfte sie, „wie Oma Kamillenblüte und Rapsmützchen.“ Sie behielt den nächsten Zweig in der Hand und begann, ihn vor ihrer Nase herumzuschwenken wie einen Zauberstab. Dazu murmelte sie Dinge vor sich hin, die sich reimten oder auch nicht.
Nun ist es natürlich so, dass sie in Wirklichkeit nicht zaubern konnte. Zaubern lernen kleine Feen erst, wenn sie groß und vernünftig sind, und das waren Zitrönchen und ihre Freundinnen noch lange nicht. Nicht mal Blumenköhlchen.
Aber manchmal geschieht im Leben etwas Seltsames. Etwas, das sich keiner erklären kann, und über das sich alle wundern. Etwas, das man, weil man es nicht besser weiß, eine „Kette von Zufällen“ nennt. Und genau so etwas passierte nun der kleinen Fee Zitrönchen.
Der erste Zufall in der Kette war, dass Zitrönchen ausgerechnet einen Zweig vom Tollkirschenbaum erwischt hatte. Und Tollkirsche, wie jede große, vernünftige Fee weiß, eignet sich sehr gut zum Zaubern von mittlerem Unsinn.
Der zweite Zufall war, dass in dem Zauberspruch, den sie sich ausdachte, „Knöterich“ vorkam, was eine sehr schnell wachsende Pflanze ist.
Und der dritte und vielleicht erstaunlichste Zufall war, dass sie mit dem Zauberstab eine Bewegung machte, wie sie von älteren Feen für schwierige Unternasenzauber verwendet wird.
Zitrönchen hatte diese Bewegung noch nie zuvor gemacht, und so oft sie nachher auch versuchte, sie zu wiederholen, es gelang ihr erst viele Jahre später. Da war sie schon längst erwachsen und hatte selber Feenkinder. Die hatten einen fiesen Tropfschnupfen und brauchten dringend einen Tropfstopzauber.

„Knirze knarze Knöterich“, rief Zitrönchen also und schwenkte den Tollkirschenstab auf perfekte Unternasenzauberart über sich und Rosenträumchen. „Zaubere uns recht fürchterlich!“
Und plötzlich schossen Funken aus dem Zweig,  riesige, blitzende, feurige Funken. Sie schossen geradewegs auf Zitrönchen und Rosenträumchen zu und setzten sich unter ihren Nasen fest. Dort fing etwas an zu wachsen und zu wuchern und hörte erst wieder damit auf, als mitten in den feinen kleinen Feengesichtern zwei stattliche Schnurrbärte prangten.
Rosenträumchens Bart war rot und buschig. Zitrönchens Bart war pechschwarz und an den Enden gezwirbelt.
Die anderen Feenmädchen starrten ihre Freundinnen entgeistert an. Rosenträumchen schielte an ihrer Nase herab und berührte mit spitzem Finger den Bart.
„Das ist…“, begann sie, „das ist…“ Zitrönchen ließ den Stab fallen.
„Großartig“, rief sie und schmiss die Arme in die Luft, „es ist absolut großartig!

Pressestimmen

"Mutige Feen"

„Mutige Feen, viel Schabernack, große Abenteuer und ein zauberhafter Mikrokosmos - dieses Buch werden auch Erwachsene, die normalerweise nichts mit Feen am Hut haben, richtig gerne vorlesen.“ Kilifü, Almanach der Kinderliteratur 2018/2019

"Abenteuerlustig und clever"

„Dieses zauberhafte Buch entdeckt zu haben, freut mich so sehr. Es ist traumhaft und ganz besonders schön illustriert - voller Blumen und Feen, die aber nicht nur süß, sondern auch richtig frech, abenteuerlustig und clever sind.“ Eine Buchhändlerin, Thalia Buchhandlung Jena

"Wunderbar dramatisch"

„Tanja Schwarzes Schreibstil erinnert einen an den Großvater, der auf dem Schaukelstuhl sitzt und den Kindern die großartigen Geschichten erzählt. Die Wortwahl ist wunderbar dramatisch, manchmal übertrieben und doch absolut passend kindlich.“ AnneMayaJannika, Leserin auf Lovelybooks.de

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